Im Gespräch mit Eva Weyl, Überlebende des Konzentrationslagers Westerbork / NL

Freitag, 30. November 2018

Am Montag dieser Woche 'erlebten' die Schüler/innen der Qualifikationsphase 2 besondere Geschichtsstunden:

Frau Eva Weyl, geboren 1935 in Arnhem / Arnheim als Kind einer jüdischen Familie, war – wie schon im Februar diesen Jahres – in unserer Schule. Johannes Klein und seine KollegInnen der Fachschaft Geschichte hatten Frau Weyl wieder eingeladen.

Eva Weyl besuchte unsere Schule zum dritten Mal, nachdem sie im März 2017 erstmals einen tiefen Eindruck bei den ZuhörerInnen hinterlassen hatte, ein Eindruck, der sich im Februar 2018 und in dieser Woche wiederholte.
Rund 100 SchülerInnen der Qualifikationsphase 2 verfolgten im Selbstlernzentrum äußerst aufmerksam den Worten von Frau Weyl (s. den Bericht der Westdeutschen Zeitung).

"Ich erzähle, damit ihr weitererzählt."
  

Familie Weyl besaß und betrieb in Kleve und in Erkelenz Textilkaufhäuser mit langer Tradition (s. Foto). Eva Weyl überlebte als Kind den Aufenthalt im Konzentrationslager Westerbork auf dem Gebiet der Gemeinde Midden-Drenthe / Provinz Drente.



Die nationalsozialistische Besatzungsmacht missbrauchte nach dem Überfall auf die Niederlande (10. Mai 1940) das Lager Westerbork (Kamp Westerbork) als Sammel- und Durchgangslager (von den deutschen Behörden als "Polizeiliches Judendurchgangslager Westerbork" geführt).
Etwa 107000 jüdische Niederländer/innen (so z.B. die Familie von Anne Frank) wurden in dieses Lager verbracht und von dort ab 1942 in die Vernichtungslager transportiert und dort ermordet. Auch im Lager Westerbork starben 751 Menschen:

"Der erste Transport fuhr am 15. Juli 1942 nach Auschwitz. Bis zum 13. September 1944 fuhren 93 weitere Deportationszüge nach Auschwitz, Sobibor, Theresienstadt und Bergen-Belsen. Viele Juden blieben jedoch länger im Lager, in dem den Häftlingen eine gewisse Alltagsnormalität vorgetäuscht wurde. Im Lager gab es eine Selbstverwaltung der Häftlinge, Schulen sowie diverse kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Diese Taktik der bewussten Täuschung führte dazu, dass die Opfer die ihnen drohende Gefahr nicht erkannten und auch bei den Deportationen ruhig blieben." Quelle:
http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/66/Erinnerungszentrum-Lager-Westerbork , letzter Zugriff: 8. März 2017
Bild:Westerbork, o.D., Stacheldraht und einer der sieben Wachtürme des Lagers, Herinneringscentrum Kamp Westerbork/NIODBild:Westerbork, 2006, Nationales Denkmal von 1970 am Ende des Schienenstrangs, Ronnie Golz

 

 

 

 
Westerbork, o.D., Stacheldraht und einer der sieben Wachtürme des Lagers, Herinneringscentrum Kamp Westerbork/NIOD
Westerbork, 2006, Nationales Denkmal von 1970 am Ende des Schienenstrangs, Ronnie Golz

Frau Weyl, die heute in Amsterdam wohnt, überlebte mit viel Glück als eine von nur etwa 5000 Menschen, die im Lager Westerbork  eingesperrt worden waren.
Sie versteht es als ihre Aufgabe, Schüler/innen für die Geschehnisse der 'Shoa' zu sensibilisieren und vor allem vor den Anfängen von Diskriminierung und Ausgrenzung zu warnen.














Die Lebensgeschichte von Frau Weyl fesselte die Schüler/innen so sehr, dass man zwischendurch eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Dabei betonte Frau Weyl, dass die heutige Generation keine Schuld an den Verbrechen der Vergangenheit trüge, ihr aber aus dem Wissen über die Vergangenheit eine Verantwortung für Gegenwart und Zukunft erwachse.

Die WZ berichtete:
Die Schüler/innen und Lehrer/innen, die Frau Weyl zuhören bzw. mit ihr sprechen konnten, waren sich einig, dass man versuchen sollte, Eva Weyl auch im nächsten Schuljahr wieder einzuladen. Dieser Vormittag wird jedenfalls allen Anwesenden über die Schulzeit hinaus im Gedächtnis bleiben.

Der Dank gilt Johannes Klein, den interessierten und engagierten Schüler/innen unserer Schule und dem Förderverein des Gymnasiums Horkesgath.

Viele Informationen über das Besatzungsregime in den Niederlanden, die Verfolgung und Ermordung der niederländischen Juden und das Lager Westerbork findet man hier:

http://www.memorialmuseums.org/laender/detail/17/Niederlande