geschrieben von unserem Schüler Paul Deutzmann
Einleitung
Seit zwei Semestern (das Sommersemester läuft noch) nehme ich nun an dem Schülerstudium der HHU teil. Das Angebot ermöglicht es motivierten Schülerinnen und Schülern bereits vor dem Abitur einen Einblick in das Campusleben zu bekommen.
Meine Erfahrung
Im letzten Wintersemester habe ich Biologie besucht. An der Uni läuft es so ab, dass der Studiengang immer in unterschiedliche Module unterteilt ist. Bei mir hat sich die Teilnahme auf ein Modul beschränkt: Zell- und Molekularbiologie. Dieses Modul umfasste 3 Vorlesungen (a 90 Minuten) pro Woche sowie eine praktische Übung (a 90 Minuten) alle zwei Wochen. Die Vorlesungen wurden, wie man es sich vielleicht auch vorstellt, in einem sehr großen Hörsaal gehalten, schließlich betrug die Teilnehmerzahl über 500 Studenten. Wer sich darüber Sorgen macht, dass einem Basiswissen insbesondere in den Naturwissenschaften als Schülerstudent fehlt, dem kann ich die Angst nehmen. Denn keinerlei Hintergrundwissen wurde vorausgesetzt: In der ersten Vorlesung haben wir uns zu Beginn den Aufbau eines Atoms erarbeitet. Denn darauf bauen die Gesetze der Chemie auf, auf denen wiederum die mikrobiologischen Gesetze und auf diesen schließlich die biologischen.
Ich sprach ja bereits von einer „praktischen“ Übung… – wer da allerdings denkt, diese fände im Labor statt, hat falsch gedacht. Stattdessen hieß es Excel: Wer keine Erfahrung mit Excel hatte, wurde dazu aufgefordert, sich im Vorhinein die Basics in Form eines kurzen YouTube-Videos anzueignen. Und dann stand diversen Experimentauswertungen auch nichts mehr im Wege.
Wie jeder andere Student auch, beendet auch der Schülerstudent sein Modul mit einer Klausur. Das Klausurformat allerdings war (sehr dankbar): Single Choice. Das heißt, es gab pro Frage immer 5 Antworten und man wusste, dass genau eine richtig ist. Man hatte dann 90 Minuten Zeit ca. 30 Fragen zu bearbeiten, was sich als sehr machbar herausstellte und ich somit die Klausur glücklicherweise auch mit vollem Erfolg bestehen konnte.
Der Universitätsbetrieb ist allerdings sehr vielschichtig. Dieses Sommersemester besuche ich die philosophische Fakultät. Hier ist das Ambiente ein bisschen anders. Statt riesigen Hörsälen erwarten einen hier in den Modulen, die ich besuche, kleine Seminarräume mit durchschnittlich 10 – 15 Leuten. Wegducken ist dort eher schwierig: Soll heißen, wenn es Hausaufgaben z.B. in Form eines vorzubereitenden Textes gibt, dann fällt es durchaus eher auf, wenn man das nicht getan hat, als in einer Biologievorlesung. Dadurch, dass ich jetzt vier verschiedene kleine Module besuche, werden mich auch verschiedene Prüfungsformate erwarten. Die Bequemlichkeit von Single-Choice fällt hier weg. Stattdessen erwarten mich Prüfungen mit Kurzantworten. In „Einführung in die Ethik“ und „Einführung in die Logik“ wird es eine normale Klausur sein, und im Modul „Philosophisches Schreiben“ schreibe ich eine Hausarbeit zum Thema „Migrationsethik“.

Was bringt das Ganze?
ECTS: Das sind eure Creditpoints, die ihr für den erfolgreichen Abschluss eines Moduls bekommt. Ein ECTS entspricht i.d.R. rund 30 Stunden Aufwand, so ist die Idee. Das heißt, mit dem Abschluss des Biomoduls habe ich zum Beispiel 8 ECTS bekommen, was dann grob bedeutet: Hier wurden 240 Arbeitsstunden aufgebracht. Das ist alles Zeit, die man später im regulären Studium spart, angenommen man möchte später in diesem oder einem verwandten Teilbereich studieren. Falls das nach sehr viel Arbeitsaufwand klingt, so hat sich für mich herausgestellt, dass die Befreiung von der Schule einen Tag die Woche einen enormen Pool an verfügbarer Zeit bietet, da es in der Regel möglich ist, die Fahrtzeit im Zug effektiv zu nutzen.
Eigenes Interesse fördern: Für mich war die größte Motivation, an dem Angebot teilzunehmen, ganz klar das Interesse. Das Schülerstudium bietet einem schlichtweg die Möglichkeit, thematischem Stoff nachzugehen, welcher einem an der Schule in der Tiefe nie unterrichtet wird. Zudem hat sich für mich ergeben, dass ich zum Teil auch in der Schule selbst von den Inhalten an der Uni profitieren konnte. Der zeitliche Mehraufwand, den man also jetzt vollbringt, wird sich meiner Prognose nach auch im Abi auszahlen, wo dann die Aneignung des benötigten Stoffes deutlich schneller vonstattengehen kann.
Perspektive gewinnen: Hand in Hand mit der Förderung des eigenen Interesses geht natürlich auch der Perspektivengewinn für die Zukunft. Entweder merkst du, dass das gewählte Fach dich total begeistert und du es nach dem Abi studieren möchtest. In dem Fall hast du die Gewissheit, dass es das Richtige für dich ist – oder aber du stellst fest, dass das Thema dir gar nicht liegt. Umso besser, du hast eine mögliche falsche Studiengangwahl frühzeitig vereitelt.
Nichts zu verlieren: Ein mögliches Nichtbestehen der Klausur hat keinerlei negative Auswirkungen auf das spätere Studium.
Interesse? Was Jetzt? Anmeldungsprozess und formaler Ablauf…
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Stufenleitung, die Oberstufenkoordination und die Schulleitung für den reibungslosen Ablauf und insbesondere an Herrn Lochthowe, der an unserer Schule genau für den Austausch und die Planung von solchen zusätzlichen Bildungsangeboten mit den interessierten Schülerinnen und Schülern im Kontakt steht. Wenn ihr also Interesse an dem Angebot habt, ist er euer erster Ansprechpartner. Die Absprache mit der Schule kann natürlich immer abhängig von diversen Faktoren unterschiedlich sein, aber bei mir ist es der Fall, dass die Schule mich an einem festen Tag in der Woche beurlaubt, damit ich dort zur Uni fahren kann. Natürlich müssen die Fachlehrer für die Fächer, die an diesen Tagen wegfallen, eine Bewertungsgrundlage haben, weswegen im Vorfeld etwaige Absprachen getroffen werden sollten (z.B. wöchentliche Abgabe von Arbeitsblättern). Die Universität stellt selbst abgesehen des rein formalen Anmeldungsprozesses keine Anforderungen. Für sie gilt: Wenn die Schule das Schülerstudium genehmigt, genehmigen wir es auch. Für etwaige Fristen und die konkreten Fächer würde ich sehr dazu raten, selbst die Website der HHU aufzusuchen: Studieren vor dem Abitur
An welche Jahrgangsstufen richtet sich das Programm?
Prinzipiell gilt: Solange es die schulische Leistung nicht beeinträchtigt und man mit dem Niveau des universitären Stoffes klarkommt, geht alles. Ein anderer Schülerstudent bei mir in Bio war selbst noch in der 9. Klasse und ich denke, so kann man es auch einordnen. Also 9. Klasse aufwärts, alles darunter wäre schon ein enormer Ausnahmefall.
Was kostet das Programm?
Das Angebot ist vollständig kostenlos.
Viel Erfolg!
Paul Deutzmann
Info: Unser Standort Gymnasium Horkesgath
Der Standort des Gymnasiums Horkesgath mit sehr guten öffentlichen Anbindungen an verschiedene Universitäten – unter anderem kooperieren wir mit der Hochschule Niederrhein – und Ganztagsangeboten ermöglicht uns eine umfassende individuelle Förderung. So erstellen wir individuelle Stundenpläne für einzelne Schüler, die beispielsweise – wie Paul – an einem Schülerstudium teilnehmen oder beim KEV trainieren.